KickstarterKampagne 2020

Flipper Zero: Das „Tamagotchi für Hacker“ sammelte 4,9 Mio. $

Der Flipper Zero sammelte 2020 auf Kickstarter 4.882.784 $ von 37.987 Unterstützern. Wie aus einem Nischen-Gadget ein Welterfolg mit Kontroversen wurde.

Flipper Zero: Das „Tamagotchi für Hacker“ sammelte 4,9 Mio. $

Ein kleines, weißes Gerät mit einem Pixel-Delfin auf dem Display, das Garagentore, Funkfernbedienungen und Zugangskarten auslesen kann: Der Flipper Zero ist eines der ungewöhnlichsten Hardware-Projekte auf Kickstarter. 2020 sammelte er fast 4,9 Millionen Dollar ein, bei einem Ziel von nur 60.000 Dollar. Die Geschichte danach zeigt, wie ein Crowdfunding-Gadget zum globalen Phänomen werden kann, mit allen Chancen und Risiken.

Was ist der Flipper Zero?

Der Flipper Zero ist ein tragbares Multitool für Sicherheitsforscher, Elektronik-Bastler und Neugierige. Er kombiniert in einem handlichen Gehäuse:

  • ein Funkmodul für Frequenzen unter 1 GHz, wie sie Garagentore und Funkfernbedienungen nutzen,
  • Leser für RFID-Karten (125 kHz) und NFC,
  • einen Infrarot-Sender und -Empfänger,
  • einen Leser für iButton-Schlüssel,
  • offene GPIO-Anschlüsse für eigene Erweiterungen.

Das Besondere ist die Verpackung: Auf dem Display lebt ein Delfin, der sich wie ein Tamagotchi entwickelt, je mehr das Gerät benutzt wird. Aus einem Werkzeug für Profis wurde so ein Gadget mit Persönlichkeit.

Die Kampagne: Zahlen und Verlauf

Die Kampagne startete am 30. Juli 2020 mit einem Ziel von 60.000 $. Laut mehreren Berichten war es nach rund acht Minuten erreicht. Am 29. August 2020 endete sie mit 4.882.784 $ von 37.987 Unterstützern, über 8.000 Prozent des Ziels. Im Schnitt gaben Unterstützer rund 128 Dollar aus, ein Preis, der das Gerät für eine breite Zielgruppe erreichbar machte.

Warum die Kampagne so erfolgreich war

Ein Gerät für eine bestehende Szene. Ähnliche Funktionen gab es vorher nur in mehreren, oft teuren Spezialgeräten. Flipper vereinte sie in einem günstigen, handlichen Gehäuse.

Charakter statt Technikdatenblatt. Der Tamagotchi-Ansatz und das verspielte Design machten das Gerät sympathisch und teilbar. Viele Unterstützer kauften es nicht nur als Werkzeug, sondern als Spielzeug.

Offenheit. Die Firmware ist Open Source, und das Team dokumentierte die Entwicklung öffentlich, unter anderem auf Hackaday.io. Gerade in der Technik-Community ist diese Transparenz ein starkes Vertrauenssignal.

Viralität. Videos von Menschen, die mit dem Flipper Fernseher ausschalten oder Ladeklappen von Elektroautos öffnen, verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken.

Was wurde aus dem Flipper Zero?

Laut Wikipedia wurden die ersten Geräte rund 18 Monate nach Kampagnenende ausgeliefert. Die weltweite Chipknappheit 2021 hatte die Produktion erheblich verzögert. Danach wurde der Flipper Zero zum Verkaufserfolg weit über die Kickstarter-Unterstützer hinaus.

Der Erfolg brachte Kontroversen. Amazon nahm das Gerät zeitweise aus dem Angebot, und die kanadische Regierung kündigte 2024 an, Geräte wie den Flipper Zero wegen ihrer möglichen Nutzung bei Autodiebstählen verbieten zu wollen. Die Hersteller betonen, dass das Gerät die gängigen Sicherheitsmechanismen moderner Autos nicht umgehen kann.

Was Gründer vom Flipper Zero lernen können

  • Persönlichkeit verkauft: Ein verspieltes Konzept macht ein technisches Produkt zugänglicher und teilbarer.
  • Lieferketten-Risiken einplanen: Hardware ist von Bauteilen abhängig, die plötzlich knapp werden können.
  • Offenheit schafft Vertrauen: Öffentliche Entwicklung und offene Software überzeugen technikaffine Zielgruppen.
  • Regulierung mitdenken: Produkte im Graubereich können später auf rechtlichen Widerstand stoßen.

Mehr über die Rechte und Pflichten von Unterstützern erfährst du in Wie funktioniert Crowdfunding?. Alle Top-Projekte des Jahres findest du unter Die besten Kickstarter-Projekte 2020.

Häufige Fragen

Wie viel hat Flipper Zero auf Kickstarter eingesammelt?

Die Kampagne lief vom 30. Juli bis 29. August 2020 und endete mit 4.882.784 US-Dollar von 37.987 Unterstützern. Das Ziel von 60.000 Dollar war nach wenigen Minuten erreicht.

Was kann der Flipper Zero?

Der Flipper Zero liest, speichert und sendet Signale von Funkfernbedienungen, RFID- und NFC-Karten, Infrarot-Fernbedienungen und iButton-Schlüsseln. Über offene Anschlüsse lässt er sich mit eigener Hardware erweitern.

Ist der Flipper Zero legal?

In den meisten Ländern ist der Besitz legal, entscheidend ist die Nutzung. Das Gerät stand aber in der Kritik: Amazon nahm es zeitweise aus dem Angebot, und Kanada kündigte 2024 an, solche Geräte wegen Autodiebstählen verbieten zu wollen.

Quellen

  1. Flipper Zero Wikipedia abgerufen am 7. November 2026
  2. Flipper Zero: Tamagochi for Hackers BackerKit abgerufen am 7. November 2026
  3. Flipper Zero – multi-tool device for hackers (Projekt-Log) Hackaday.io abgerufen am 7. November 2026

Themen Gadgets & Technik